Die Ansage sorgte unter der Woche für Aufregung: “HSV-Vorstand gegen Pyrotechnik: Strenge Einlasskontrollen für Block 25A“, ließ der Verein verlauten und kündigte scharfe Maßnahmen für alle Fans im Block 25A an. Hintergrund: immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Problemen mit einigen “Fans” im Block 25A – und der Verdacht fällt auf die Ultra-Gruppierung “Poptown”.
Nun ist meine Meinung zu Pyrotechnik ja bekannt: ich bin bekennender Gegner. Insofern finde ich es grundsätzlich gut, dass sich der Verein dieser Problematik annehmen will. Aber muss er dafür gleich pauschal einen ganzen Fanblock bestrafen? Ich empfinde es nämlich durchaus als Strafe, wenn ich vor einem Spiel extrems kontrolliert werde oder in meinem Bewegungsspielraum im Stadion eingeschränkt werde. Schon jetzt finde ich es unangenehm, wenn man sich bei Stadioneinlass “begrapschen” lassen muss – dabei will ich nur friedlich Fußball gucken. Insofern darf man sich bei den wenigen Idioten bedanken, die immer wieder auffällig werden.
Die vom HSV angekündigten Maßnahmen sind aber darüberhinaus auch falsch, weil sie nicht helfen werden. Wer Pyro zünden will, bekommt diese auch ins Stadion. Das haben wir doch schon oft genug bei internationalen Partien gesehen. Da wurden die Sicherheitsvorkehrungen auch angezogen, dennoch brannte es im Stadion. Weil es eben genügend Wege zu geben scheint.
Die HSV-Maßnahmen können also nur eine Alibi-Aktion sein. Oder stecken da ganz andere Gründe hinter? Vielleicht will man auch die Fanszene nur gegeneinander aufstacheln und eine Anti-Stimmung gegen Poptown erzeugen. Schließlich liegen Verein und Poptown seit längerem im Streit. Abwegig ist dieser Gedanke in diesem Zusammenhang nicht. Aber gibt es da keine anderen Maßnahmen? Immerhin sind die entsprechenden Fans doch bekannte.
Wie dem auch sei: bei dieser Aktion bleiben zu viele Verlierer. Eben die, die immer friedlich sind und nur Fußball spielen wollen. Die, für die es beim Fußball um den Sport geht und nicht um brennende Fackeln. Ich gehöre zu diesen Menschen – und ich habe eine Dauerkarte in 25A. Und mir wird die Vorfreude auf das Nord-Derby in Anbetracht der angekündigten Maßnahmen gehörig gedämpft. Ist das Sinn der Sache?
Gegen Dortmund war es eine Katastrophe. Gegen Hertha stimmte das Ergebnis, auch wenn es nicht überragend war. Gegen die Bayern war es wirklich richtig gut. Und nun gegen die Kölner? Das Spiel am Sonntag ist richtungsweisend.
Doch Vorsicht! Denn es könnte kommen wie so oft. Nach der deutlichen Leistungssteigerung und der Chance zum Sprung nach vorne, patzt der HSV. So war es doch zumindest in der Vergangenheit oft. Da helfen auch all die optimistischen Statements unter der Woche nichts. Wenn sich dieser HSV wirklich positiv weiterentwickeln will, dann hat diese Mannschaft gelernt, dass sie in jedem Spiel 100% geben muss. Und nicht nur gegen Bayern. Ich bin wirklich gespannt auf Sonntag.
Vor dem Spiel war am Samstag die Freundin dran. Und da ging es bei schönstem Winterwetter um die Hamburger Alster. Später in einem Café fragte mich ein älter Herr: “Junger Mann, wie geht es denn heute aus?” – “Mit einem Unentschieden wäre ich schon hochzufrieden,” war meine Antwort.
Und so muss ich nun wohl zufrieden sein. Bin ich auch. Und es hat endlich mal wieder Spaß gemacht. Dieser HSV, den wir am Samstag gesehen haben, hatte nichts mehr gemeinsam mit der Mannschaft, die sich noch zwei Wochen zuvor vom BVB hatte abschlachten lassen. Wie hatte der HSV gegen Dortmund von Anfang an geschwommen? Und wie hatte der HSV vom Samstag von Anfang an dagegen gehalten und gekämpft? Wieso geht das nicht immer so? Muss es dazu immer erst Minus 10 Grad sein?
Das Unentschieden hat sich der HSV absolut verdient. Und ich denke es geht vom Spielverlauf her auch in Ordnung. Wobei man dann doch sogar noch ein klein wenig traurig sein musste – immerhin hatte man 50 Minuten lang geführt. Und der Ausgleich fiel mehr als unglücklich: es weiß eigentlich jeder Amateur-Trainer, dass ich nicht bei einer Ecke gegen mich wechseln darf. Thorsten Fink machte diesen Fehler, der eingewechselte Son musste nach hinten eilen, wird direkt angeschossen und kann nicht klären. So doof fiel das 1:1 – auch wenn es wie gesagt absolut in Ordnung ging.
Dass die bibbernden Zuschauer diesen Punktgewinn nach hochspannenden 90 Minuten dennoch wie einen Sieg feierten zeigt, welch gutes Gespür das Hamburger Publikum mittlerweile hat. Denn ein Unentschieden gegen die Bayern ist für den HSV (vor zwei Wochen noch chancenlos gegen den BVB) im Moment eben ein großer Erfolg. Auf den sich hoffentlich aufbauen lässt.
Was haben Mickael Tavares, Marcel Ndjeng, Michael Gravgaard, Anton Putsila oder Vadis Odjidja-Ofoe gemeinsam? Richtig. Sie wurden alle vom HSV jeweils in einer Winterpause verpflichtet. Und ihr sportlicher Erfolg in Hamburg hielt sich in Grenzen! Ihr wollt noch mehr? Hier die ultimativen Winterflops: Albert Streit oder Ailton!
Wer sich in den letzten Tagen in Anbetracht solcher Erinnerung voller Freude vor den Transferticker gesetzt hat, dürfte dann aber enttäuscht gewesen sein. Denn der HSV spielte in dieser Wechselperiode gar keine Rolle, war mucksmäuschen still. Hallo? Wie langweilig ist das denn? Die Sportmanager spielen verrückt und der HSV macht nicht mit.
Aber warum eigentlich? Hat dieser HSV-Kader nicht schon oft genug bewiesen, dass er nicht mithalten kann? Muss ein Frank Arnesen nicht dringend nachrüsten? Immerhin drückt doch an einigen Stellen merklich der Schuh, insbesondere in der kreativen Spieleröffnung.
Das mag alles richtig sein. Nur kriegt man insbesondere im Winter eher nicht die erhofften Verstärkungen auf dem Tablett angeboten – oder nur zu horrenden Preisen. Die Vergangenheit hat doch – wie oben angedeutet – gezeigt, dass im winterlichen Transfermarkt nicht viel zu holen ist. Und gerade einen Spieler für die offensiv-kreative Lücke wird man nur schwerlich unter der Saison verpflichten können. Oder eben nur für ganz viel Geld. Und gerade da sollte man bedenken, dass der HSV ganz klamm bei Kasse ist.
Frank Arnesen tut also Recht daran, dass er im Winter nichts getan hat. Und er setzt damit ein gutes Zeichen an die Mannschaft: ich vertraue Euch! Von solchen Vertrauensbekundungen mögen zum Beispiel die Wolfsburger Spieler bei Transferkönig Magath wohl nicht mal träumen. Aber auch Frank Arnesen wird wissen, dass der HSV zur neuen Saison an der einen oder anderen Stelle nachbessern muss. Bis dahin wird er darauf setzen, dass der jetzige Kader die Klasse hält. Denn dazu sollte er stark genug sein (oder andere noch schwächer). Doch spätestens im Sommer dürften dann auch die HSV-Fans wieder mit Spannung den Transferticker betrachten.
Normalerweise schwindet nach einer Niederlage die schlechte Laune nach wenigen Tagen und spätestens am Mittwoch schaut der HSV-Fan wieder optimistisch und voller Vorfreude aufs kommende Wochenende. Nach dem 1:5-Debakel gegen den BVB ist das bei mir anders. Diese Niederlage war zu heftig, als dass ich zur Normalität übergehen kann. So sehr hatte ich mich auf den Rückrundenstart gefreut, um so größer ist nun die Enttäuschung. Fünf Gegentreffer in einem Heimspiel – das hatte ich nun auch noch nicht erlebt.
Thorsten Fink hatte in seinem persönlichen Hinrunden-Fazit immer betont, dass er bislang keine Mannschaft gesehen habe, die besser gewesen sei als der HSV. Spätestens am Sonntag dürfte er sie entdeckt haben. Und der BVB war mehr als eine Klasse besser! Kam der HSV-Optimismus also zu früh? Immerhin hatte der HSV unter Fink eher gegen schwächere Gegner gespielt, die großen Kaliber waren ja vor seiner Zeit. Trügt also der Schein, dass der HSV sich unter Fink verbessert hat?
Ich glaube nein. Wobei wir eine definitive Antwort auf diese Frage auch erst in den nächsten Wochen erwarten können. Aber man sollte nach dieser deftigen Klatsche nicht alles schwarz malen. Der HSV hat gegen den BVB einen entscheidenden Fehler gemacht: er wollte – gemäß Finks Parole – das Spiel selbst machen und sich nicht nach dem Gegner richten. So löblich diese Einstellung auch sein mag – gegen den BVB flog der HSV (und Fink) damit auf die Fresse. Denn die Dortmunder mussten nichts weiter machen, als den HSV früh zu attackieren, so zu Fehler (Kacar) zwingen, um dann schnell nach vorne zu spielen. So kam der HSV nie zu seinem Spiel! Fink wird daraus hoffentlich lernen. Lernen, dass seine Mannschaft noch nicht so weit ist, um gegen einen Gegner wie den BVB dem Spiel den eigenen Stempel aufzudrücken. Dass mag vielleicht gegen Augsburg oder Hannover gelingen, aber nicht gegen den BVB. Und auch nicht gegen die Bayern in zwei Wochen!
Vielleicht hat Fink seiner Mannschaft auch zu viel zugetraut, dachte sie sei schon weiter. Wo wir bei der Erwartungshaltung wären. Diese ist in Hamburg – traditionell – wohl schon wieder etwas zu hoch geraten. Da waren ja nicht wenige, die noch in Richtung Platz 6 geschielt hatten. Und das ist – das wissen wir spätestens seit Sonntag – pure Träumerei. Der HSV kann froh sein, wenn er frühzeitig die Klasse sichert. Mehr wohl nicht. Weiter ist diese Mannschaft noch nicht.
Dass jetzt nach der ersten Niederlage nach 8 Spielen schon wieder die Angst vor einem erneuten Fehlstart umgeht, zeigt die Schnelllebigkeit des Fußballs. Letzte Woche noch top, jetzt flop! So schnell kann es gehen. Beim HSV sollten sie – und das machen sie auch richtig – zunächst einmal Ruhe bewahren. Wir wissen nun, dass wir mit den Spitzenteams nicht mithalten können. Der BVB hat uns das eindrucksvoll gezeigt. Das Spiel in Berlin wird zeigen, wo wir wirklich stehen. Und ob wir uns um die „Wundertüte HSV“ auch in 2012 Sorgen machen müssen.