Normalerweise schwindet nach einer Niederlage die schlechte Laune nach wenigen Tagen und spätestens am Mittwoch schaut der HSV-Fan wieder optimistisch und voller Vorfreude aufs kommende Wochenende. Nach dem 1:5-Debakel gegen den BVB ist das bei mir anders. Diese Niederlage war zu heftig, als dass ich zur Normalität übergehen kann. So sehr hatte ich mich auf den Rückrundenstart gefreut, um so größer ist nun die Enttäuschung. Fünf Gegentreffer in einem Heimspiel – das hatte ich nun auch noch nicht erlebt.
Thorsten Fink hatte in seinem persönlichen Hinrunden-Fazit immer betont, dass er bislang keine Mannschaft gesehen habe, die besser gewesen sei als der HSV. Spätestens am Sonntag dürfte er sie entdeckt haben. Und der BVB war mehr als eine Klasse besser! Kam der HSV-Optimismus also zu früh? Immerhin hatte der HSV unter Fink eher gegen schwächere Gegner gespielt, die großen Kaliber waren ja vor seiner Zeit. Trügt also der Schein, dass der HSV sich unter Fink verbessert hat?
Ich glaube nein. Wobei wir eine definitive Antwort auf diese Frage auch erst in den nächsten Wochen erwarten können. Aber man sollte nach dieser deftigen Klatsche nicht alles schwarz malen. Der HSV hat gegen den BVB einen entscheidenden Fehler gemacht: er wollte – gemäß Finks Parole – das Spiel selbst machen und sich nicht nach dem Gegner richten. So löblich diese Einstellung auch sein mag – gegen den BVB flog der HSV (und Fink) damit auf die Fresse. Denn die Dortmunder mussten nichts weiter machen, als den HSV früh zu attackieren, so zu Fehler (Kacar) zwingen, um dann schnell nach vorne zu spielen. So kam der HSV nie zu seinem Spiel! Fink wird daraus hoffentlich lernen. Lernen, dass seine Mannschaft noch nicht so weit ist, um gegen einen Gegner wie den BVB dem Spiel den eigenen Stempel aufzudrücken. Dass mag vielleicht gegen Augsburg oder Hannover gelingen, aber nicht gegen den BVB. Und auch nicht gegen die Bayern in zwei Wochen!
Vielleicht hat Fink seiner Mannschaft auch zu viel zugetraut, dachte sie sei schon weiter. Wo wir bei der Erwartungshaltung wären. Diese ist in Hamburg – traditionell – wohl schon wieder etwas zu hoch geraten. Da waren ja nicht wenige, die noch in Richtung Platz 6 geschielt hatten. Und das ist – das wissen wir spätestens seit Sonntag – pure Träumerei. Der HSV kann froh sein, wenn er frühzeitig die Klasse sichert. Mehr wohl nicht. Weiter ist diese Mannschaft noch nicht.
Dass jetzt nach der ersten Niederlage nach 8 Spielen schon wieder die Angst vor einem erneuten Fehlstart umgeht, zeigt die Schnelllebigkeit des Fußballs. Letzte Woche noch top, jetzt flop! So schnell kann es gehen. Beim HSV sollten sie – und das machen sie auch richtig – zunächst einmal Ruhe bewahren. Wir wissen nun, dass wir mit den Spitzenteams nicht mithalten können. Der BVB hat uns das eindrucksvoll gezeigt. Das Spiel in Berlin wird zeigen, wo wir wirklich stehen. Und ob wir uns um die „Wundertüte HSV“ auch in 2012 Sorgen machen müssen.



