Zum Siegen verdammt

29. Januar 2010 | Tanner

Diese Woche war wirklich tubulent: Auf der einen Seite die Abgänge von Alex Silva und Mickael Tavares, dazu die Diskussionen über die Flugangst von Paolo Guerrero; und über allem thronte natürlich die spektakuläre Neuverpflichtung von Ruud van Nistelrooy. Die Presse - auch über Hamburg hinaus - hat in den letzten Tagen viel über den HSV geschrieben. Nur wenig über das Bundesliga-Geschehen. Die bittere Pleite von Dortmund wurde ebenso wie das anstehene Spiel gegen den VfL Wolfsburg thematisiert.

Zu Dortmund ist von meiner Seite ebenfalls alles gesagt, zum Spiel gegen den VfL gibt es nicht viel mehr zu sagen, außer: Ein Sieg ist Pflicht! Denn gerade nach der Niederlage gegen den BVB muss der HSV heute dreifach punkten, um den Anschluss nach oben nicht zu verlieren. Denn seien wir doch mal ehrlich: Die Verpflichtung von van Nistelrooy ist in meinen Augen ein klares Zeichen - mit weniger als Platz drei will sich der HSV in dieser Saison nicht zufrieden geben. Und das ist meiner Meinung nach auch absolut drin.

Blöd nur, dass die angeschlagenen Wölfe ebenfalls zum Siegen verdammt sind. Zudem dürften einige Spieler unter dem neuen (Interims-) Trainer Köstner besonders motiviert sein. Die Vergangenheit hat ja schon oft gezeigt, was Trainerwechsel - zumindest kurzfristig - bewirken können. Daher wird es heute ein ganz schweres Spiel: Auf einen offenen Schlagabtausch wie im Hinspiel können wir uns derweil wohl nicht freuen. Der HSV ist verpflichtet, das Spiel zu machen und die Wölfe werden auf Konterchancen lauern. Eine schwierige Situation, in der wahrscheinlich auch jede Menge Geduld gefragt ist. Und vielleicht auch die richtige Aufstellung, bei der sich Bruno Labbadia ja noch nicht so recht in die Karten lassen schauen lässt. Ich würde auf alle Fälle mit Elia auf rechts beginnen, sodass wir zwei flinke Aussenbahnen (auf links Jansen) haben. Und im Sturm würde ich Marcus Berg eine Chance geben, er gefiel mir in Dormund. Sprich: Trochowski und Torun zunächst auf der Bank. Neu dabei ist auf alle Fälle ein neuer Rasen in der Arena. Und das ist auch gut so.

Mein Tipp für heute Abend: ein 3:1. Warum? Weil der HSV nach Niederlagen immer aufgestanden ist. Ein schönes Spiel allen und zieht Euch warm an.

Das unglaubliche Ding mit van Nistelrooy

25. Januar 2010 | Tanner

Das unglaubliche Ding mit van Nistelrooy - am heutigen Montag ist es wahr geworden. Mit Sicherheit einer der spektakulärsten Transfers der letzten Jahren. Und spannend wie immer auch wieder die Abläufe.

Ein Rückblick:
Schon seit Tagen kursierten in gewissen Foren und Blogs das Gerücht, dass der HSV an van Nistelrooy dran sein könnte, immerhin stand der Holländer bei Real offiziell auf der Streichliste. Bis auf einige wenige Optimisten will aber niemand an diese Gerüchte glauben. Doch am Donnerstagabend überschlagen sich dann die Meldungen. Zuerst meldet “Matz ab” von der Einigung, schnell zogen die Mopo, Abendblatt und Bild mit entsprechenden Meldungen nach. In den Fanforen geht es kurz vor Mitternacht drunter und drüber her. Bei den einen brechen pure Jubelarien aus, andere sind extrem skeptisch, können nicht an den Transfer glauben. Immerhin liegt die scheinbar perfekte Geschichte mit Vagner Love noch frisch im Gedächtnis. Wieder andere Fans beginnen Diskussionen, ob ein 33-jähriger dem HSV noch helfen kann. Noch um Mitternacht herrscht Hochbetrieb in den Fanforen, nebenbei werden sämtliche Nachrichtenticker im Minutentakt aktualisiert.

Dennoch entscheide ich mich dann irgendwann ins Bett zu gehen (andere Fans sollen die Nacht vorm Nachrichtenticker durchgemacht haben). Meiner Freundin flüstere ich noch schnell zu: “Ruud, mein Schatz. Ruud.” Als Antwort bekomme ich nur ein müdes “wer?” und schon ist sie wieder im Land der Träume. Doch da bin ich noch lange nicht, denn zunächst ist man noch völlig aufgewühlt und kann es irgendwie nicht glauben: sollte das tatsächlich stimmen, was ich da gerade gelesen habe? Kommt wirklich ein Weltstar zum HSV? Irgendwann finde ich dann auch meinen Schlaf und träume vom Rathausmarkt :-)

Im Laufe des Freitags wird die ganze Sache konkreter. Immer mehr Medien berichten vom anstehenden Wechsel, auch die spanischen Fußballzeitungen sind sich da sicher. Dennoch herrscht große Aufregung unter den HSV-Fans; man kann es einfach nicht glauben. Derweil bricht das SC-Forum schon komplett zusammen, da sich teilweise über 700 Besucher gleichzeitig im Forum befinden. Viele kommen an diesem Tag scheinbar gar nicht zum arbeiten und in den Hamburger Büros gibt es nur ein Thema. Das Spiel in Dortmund wird da immer mehr zur Nebensache.

Am späten Freitagabend kommen dann erste inoffizielle Bestätigungen, die dann am Samstag konkret werden. Und die ganze Liga diskutiert über diesen spektakuläten Transfer. Auch in Dortmund gibt es unter den HSVern kein anderes Thema. Erste Schlachten-Bummler stimmen van Nistelrooy-Sprechchöre an, dazu sind schon etliche Trikots mit dem Schriftzug des Niederländers auszumachen. Dabei handelt es sich zwar noch um ManU-Trikots, doch die HSV-Variante wird mit Sicherheit der Verkaufsschlager werden. Am Montag ist es dann endlich soweit und der Superstar landet in Hamburg und präsentiert den Medien sein HSV-Trikot mit der Nummer 22. Noch immer können viele Fans nicht glauben, dass dieser Transfer wirklich Realität geworden ist.

Doch was soll man davon halten? Ist der Wechsel nur spektakulär oder ist er auch sinnvoll? Da kann man mit Sicherheit geteilter Meinung sein. Fakt ist, dass ein van Nistelrooy in fittem Zustand ein Stürmer ist, wie es ihn so auf der Welt nur ganz, ganz selten gibt. Und in der Bundesliga bislang noch gar nicht. Fakt ist aber auch, dass der Holländer nicht mehr der jüngste ist und zuletzt lange verletzt war. Ansonsten hätte der HSV ihn ja auch nicht kriegen können. Aber spielt das Alter tatsächlich die entscheidene Rolle? Ein Zé Roberto ist noch älter als van Nistelrooy und auch beim Wechsel des Brasilianers gab es viele Zweifler, die alle sehr schnell ruhig geworden sind. Oder auch ein Claudio Pizarro in Bremen trifft noch immer, auch wenn er das eine oder andere Wehwehchen hat. Zumal es doch insbesondere die Stürmer sind, die durch Erfahrung und den richtigen Riecher besonders erfolgreich sind. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch etliche Negativbeispiele, wei beispielsweise Juan Pablo Sorin, der beim HSV nie richtig in Tritt kam. Im Endeffekt kann man es also eh nicht vorhersehen. Van Nistelrooy kann mit guten Leistungen beweisen, dass er es noch kann. Denn dass er weiß, wo das Tor steht, ist ja bekannt. Auf alle Fälle ist er mit aber lieber als ein Vagner Love, der als schwieriger Charakter gilt und mit Sicherheit einige Zeit bräuchte, um sich einzuleben. Daher sage ich: Herzlichen Glückwunsch zu diesem Transfer, HSV!

Enttäuschung in Dortmund

25. Januar 2010 | Tanner

Ich will mich kurz fassen: Dortmund war eine Enttäuschung. Irgendwie passte es dieses Mal gar nicht, beim HSV lief nicht viel zusammen. Zum ersten Mal in dieser Saison muss man klar eingestehen, dass der Gegner dieses Mal besser war. Bislang gab es ja immer die Erkenntnis, dass der HSV in allen Bundesliga-Spielen immer das bessere Team war und teilweise nur unglücklich verloren hatte. Das war dieses Mal anders. Die Borussen haben dem HSV vorgemacht, was es heißt zu kämpfen. Aber auch spielerisch war der HSV meistens unterlegen; es fehlte die sonst so überzeugen Ballsicherheit: Stattdessen kam kaum ein Pass an, auch weil die Dortmunder früh störten. Neben der miserablen Passquote war auch so die Zweikampfquote im Keller. Das war schon erschreckend. Mein Nebenmann im Gästeblock formulierte das kurz vor Schluss entsprechend: “Ich habe die ganze Zeit das Gefühl, als sei der HSV mit einem Mann weniger auf dem Platz.” Recht hat er.

Apropros Gästeblock: Die Zustände im HSV-Lager waren einfach katastrophal. Schon eine halbe Stunde vor dem Anpfiff war der Gästeblock überfüllt; einer der Zugänge wurde schon komplett gesperrt, durch den anderen gab es kein Reinkommen mehr. Hier waren schätzungsweise mehrere hundert Personen zu viel im Block. Und das Ordnungspersonal schaute nur zu. Im Block lagen Menschen auf dem Boden, die von der Menge niedergedrückt wurden. Das wa einfach nur gefährlich und hätte ganz böse ausgehen können. Ich habe mich noch nie so unwohl in einem Stadion gefühlt. Irgendwie passte also gar nichts an diesem Samstagabend.

Das einzige was dann doch mutig gemacht hat, war dann der leichte Schwung, der durch die Einwechslung von Elia und Berg ins Spiel kam. Von Elia war das ja so zu erwarten, aber auch Berg hat mir gut gefallen; er war deutlich besser als der blasse Torun. Der Schwede hat sich somit für einen Einsatz gegen Wolfsburg qualifiziert. Noch kurz zum VfL: Die Wölfe haben ja heute Armin Veh entlassen. Blöder hätte es aus unserer Sicht natürlich nicht kommen können, denn meist sind Mannschaften nach einem Trainerwechsel ja besonders motiviert. Dennoch ist ein Sieg am Freitag Pflicht, damit wir uns schnellstens den vierten Platz zurückerobern können. Denn dass wir hinter dem BVB stehen, ist für mich ein untragbarer Zustand.

Endlich wieder Dortmund!

21. Januar 2010 | Tanner

Endlich geht es mal wieder nach Dortmund. Ich muss zugeben, keine Auswärtswart mache ich lieber. Und nirgends war ich häufiger. Am Samstag geht es schon zum insgesamt neunten Mal ins Westfalenstadion; hier habe ich quasi alle Umbaustufen mitbekommen. Und das Westfalenstation ist einfach immer klasse und mein absolutes Lieblingsstadion - mal abgesehen von unserem Volksparkstadion. In Dortmund herrscht immer solch eine besondere Atmosphäre; zum einen ist dort die imposante Südtribüne, dann die extrem steilen Ränge, man ist sehr nah am Spielfeld und die Akkustik ist atemberaubend. So muss Fußball sein; und die Aufeinandertreffen im Westfalenstation waren eigentlich immer packend und spannend; und nie langweilig. Unvergessen bleibt in diesem Zusammenhang der 2:0-Auswärtssieg im Herbst 2004; das erste Spiel unter Thomas Doll und der erste Saisonsieg damals; der HSV-Fanblock skandierte nach dem Schlusspfiff minutenlang den Namen des Trainers, der dann nochmal extra aus den Katakomben kam. Das war damals der Wahnsinn. Wo ich das Westfalenstadion so lobe, muss ich aber auch mal eines klar stellen: Die Atmosphäre dort ist zwar klasse, die Stimmung ist aber nicht immer so überragend wie es heißt. Denn insbesondere in Dortmund ist das Publikum sehr kritisch und tolle Stimmung herrscht nur, wenn der BVB auch führt; schon oft habe ich die Leute dort frühezeitig das Stadion verlassen sehen.

Wo wir gerade bei meinen Lieblingsstadien abseits des Volksparks sind: Also Dortmund ist ganz klar vorne und zwar mit weitem Abstand. Toll ist natürlich auch die Allianz Arena (eine etwas größere Kopie des Volksparksstadions), aber Stimmung herrscht dort ja bekanntlich gar keine. Toll finde ich auch das Stadion in Frankfurt, welches mich ebenfalls sehr an unser Stadion erinnert; wir haben damals halt Maßstäbe gesetzt. Auch Köln würde ich als tolles Stadion bezeichnen, wobei hier dann wiederum eher das Westfalenstadion Vorbild gewesen sein dürfte; auf alle Fälle aber ein schönes Stadion dort am Rhein.

Wovon ich gar nichts halte, ist dagegen die Arena auf Schalke. Ich verstehe nicht, warum diese bei vielen Menschen als so überragend wahrgenommen wird; ich fand es dort einfach unerträglich laut, stickig und Atmosphäre herrschte nahezu gar nicht; man kommt sich auf jeden Fall nicht wie in einem Fußballstadion vor. Und das die Schalker Fans besonders stimmgewaltig sind, ist eh das größte Märchen der Bundesliga. Ebenfalls wenig halte ich vom Weserstadion. Welch eine Überraschung, mögen jetzt alle denken, aber das hat in diesem Fall gar nicht mit Werder zu tun. Aber dieses Stadion ist einfach nur hässlich und hat nichts. Vielleicht wird es ja nach dem (gefühlt 100sten) Umbau endlich besser, ich bin gespannt.

Was ich auch mag, sind die kleinen, feinen Fußballstadion. Und damit meine ich reine Fußballstadien, wie sie in Bochum oder Bielefeld stehen. Hier wird jedes Mal Abstiegskampf gekämpft, was den Stadien ein besonderes Flair gibt. Auch Leverkusen hat mir vor dem Umbau gut gefallen, ich bin gespannt, wie es jetzt ist.

Zur AWD-Arena in Hannover habe ich so meine eigene Meinung: eigentlich ist es ja ein ganz schickes Stadion, aber irgendwie fehlt auch hier das Besondere. Hier spürt man nicht diese Atmosphäre, wie sie andere Stadien ausstrahlen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Hannover einfach über Jahre eine graue Maus in der Liga ist? Nur wenige Kilometer weiter südlich ergeht es mir ähnlich. Das Stadion in Wolfsburg ist zwar ganz niedlich und wirkt wie eine Miniatur der großen Vorbilder; etwas Besonderes sucht man hier aber ewig.

Naja, jetzt aber noch schnell zurück zum Westfalenstadion und dem Spiel am Samstag. Denn hierauf freue ich mich schon die ganze Woche, denn es verspricht ein absolutes Spitzenspiel zu werden. Immerhin ist der BVB seit elf Spielen ungeschlagen. Das ist schon eine imposante und in meinen Augen überraschende Serie der Dortmunder; die aber am Samstag reissen wird, da bin ich mir ziemlich sicher. Mit schnellen Gegenstößen kann der HSV zum Ziel kommen und hier liegt derzeit eine der Stärken des HSV, über die schnellen Spieler wie Jansen, Torun oder Trochowski. Und hoffentlich auch Elia. Sein Mitwirken wäre wirklich toll, wenn man sich erinnert, wie er im Hinspiel den BVB schwindelig gespielt hat. Hoffentlich wird er püntlich zum Spiel fit. So oder so erwarte und erhoffe ich mir ein spektakuläres Spiel - 2:3.

Und noch ein kurzer Blick zum Afrika-Cup. Von dort hat sich nämlich Guy Demel via Mopo gemeldet und verkündet, dass er bleiben will. Und das obwohl er in England wohl deutlich mehr hätte verdienen können. Aber er fühlt sich wohl in Hamburg und will mit dem Klub noch einiges Erreichen. Löbliche Einstellung, Guuuuyyyyy!!!!

Auf drei Punkte am Samstag!

P.S: Kurzer Nachtrag: Laut Mopo soll kein geringer als Ruud van Nistelrooy kommen. Wenn das stimmt, wäre das ein richtiger Hammer!

Chaos im Hamburger Blätterwald

18. Januar 2010 | Tanner

Dieser Rückrundenstart war doch gelungen. Wobei es zum 2:0-Sieg gegen den SC Freiburg eigentlich nicht viel zu sagen gab, denn diskussionswürdige Szenen gab es bei diesem souveränen Sieg kaum. Einzig über die Chancen-Verwertung kann man diskutieren. Denn in den ersten 30 Minuten, in denen der HSV teilweise tollen Tempofußball zeigte, hätte der HSV das Spiel schon entscheiden müssen. Tat er aber nicht und wenn es blöd kommt, dann gleichen die Freiburger kurz vor der Pause aus. Wahnsinn, wie Reisinger dieses Ding noch vergeben konnte. Wenn du Pech hast, steht es dann 1:1, die Breisgauer machen hinten dicht und man rennt gegen das drohende Remis an. So kam es aber glücklicherweise nicht und wir können von einem souveränen Start reden. Respekt übrigens an 50.000 Zuschauer, die bei diesen Temperaturen gegen einen nicht gerade attraktiven Gegner ins Stadion gefunden haben. Soetwas gab es vor wenigen Jahren noch nicht.

Was war sonst noch los an diesem Wochenende in der Bundesliga? Leverkusen spielt weiterhin souverän, sodass ich bei meiner Prognose bleibe, dass der Werksclub am Ende den Titel holt. Zumal die Bayern als erster Verfolger auch nicht gerade bombastisch gespielt haben. Geärgert habe ich mich ein wenig über den Sieg der Schalker. Denn die drei Punkte für Blau-Weiß waren mehr als glücklich und Nürnberg hätte einen Punkt verdient gehabt. Langsam unheimlich wird die Serie der Dortmunder, aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese am nächsten Wochenende beenden werden. Herr Klopp hat sich mal wieder lächerlich gemacht, unglaublich was sich dieser Kerl als Trainer und damit erster Repräsentant seines Vereines erlaubt! Gefreut habe ich mich - gemeinsam mit den 50.000 Zuschauern im Stadion - natürlich über die Niederlage der Bremer, die wir damit ein wenig auf Distanz halten konnten. Schön auch, dass Marco Marin für sein theatralisches Fallen im Strafraum (zum wiederholten Male in dieser Saison!) nicht belohnt wurde. Wäre er wahrscheinlich ganz normal gefallen, hätte er den Elfmeter wohl berechtigerweise bekommen. Pech gehabt, Marin und Werder! ;)

Spannend wird es in den nächsten Tagen dann wohl nochmal auf dem Personalmarkt, denn noch immer sucht der HSV scheinbar nach einem neuen Stürmer. Nach dem geplatzten Vagner Love-Deal sind natürlich alle gespannt, ob der HSV dort noch jemandem im Visier hat. Um dann auch nochmal zum Love-Deal zurück zu kommen: Es ist immer wieder verrückt zu sehen, wie solche Meldungen durch die Medien gehen. Wenn ich in der Berichterstattung alles richtig verfolgt habe, hatte das Abendblatt zuerst online vom Interesse an Love berichtet und sich dabei auf sichere Quellen berufen. Nur wenige Minuten später folgt die BILD, die dafür auch eine Bildquelle haben will. Auch die Mopo zieht zeitnah nach, “wie die Mopo herausfand”. Scheinbar hatten alle Medien innerhalb von wenigen Minuten zufällig geheime Quellen angezapft. Oder haben etwa alle voneinander abgeschrieben und sich auf eine einzige Quelle verlassen? Die dann vielleicht doch nicht so sicher war bzw. zu früh diese Meldung verbreitet hat? Auf alle Fälle nimmt die Nachrichten-Lawine ihren Lauf und alle Medien berichten deutschlandweit von der kurz bevorstehenden Verpflichtung von Vagner Love. Im HSV-Forum werden natürlich alle Fans nervös und auch der Aufsichtsrat-Chef Horst Becker wird nervös und geht vor die Presse. Jetzt rechnen alle mit einer Verpflichtung von Vagner Love. Die Sport Bild - bekannt für ihre qualitative Berichterstattung - hat sogar schon rausgefunden, dass Love im Flugzeug nach Hamburg sitzt. Komisch nur, dass zeitgleich brasilianische Medien wissen wollen, dass er gerade nach Rio in Brasilien fliegt. Ja, was denn nun? In Hamburg ist er nur scheinbar nie gelandet. Und scheinbar wollte er auch nie zum HSV. Was genau im Hintergrund passiert ist, weiß man natürlich nicht. Vielleicht war man sich mit den Beratern schon einig, vielleicht wurde der HSV aber mal wieder auch nur benutzt, um den Preis in die Höhe zu treiben. Die Medien haben sich auf alle Fälle nicht mit Ruhm bekleckert.

Da dürfen wir ja schonmal gespannt sein, ob sie jetzt im Falle Boateng Recht haben. Die Mopo verkündet nämlich, dass Boateng beim HSV verlängern wird. Toll wäre es ja! Und genau richtig für Boateng und seine Entwicklung. Die Boatengs und auch Özils dieser Welt sollen sich erstmal bei einem Verein über mehrere Spielzeiten festigen und Spielpraxis sammeln. Wie ein verfrühter Wechsel schief gehen kann, davon können die Podolskis, Baumjohanns, Schlaudraffs & Co dieser Welt ja ein Lied von singen. Und im Gegensatz zu letztgenannten spielt Boateng immerhin beim HSV – hier sollte die Teilnahme am internationalen Geschäft doch eigentlich in den nächsten Jahren gesetzt sein. Und damit dürfte der HSV für seine persönliche Entwicklung absolut der richtige Verein sein. Aber das Problem sind doch im Endeffekt eh die Berater. Denn diese üben einfach einen zu großen Einfluss auf die Spieler aus; insbesondere bei den jungen Spielern. Und da die Berater insbesondere bei Transfers verdienen, drängen sie ihre Mandanten doch verstärkt zu solchen. Es wird also ein harter Kampf um Boateng. Und dass er nicht mehr ewig bei uns spielen wird, steht für mich fest, wenn er sich erwartungsgemäß entwickelt. Somit wäre es schon ein Erfolg ihm seine Ausstiegsklausel abzukaufen.

Aber da sind wir mal gespannt, ob die Mopo diesesmal Recht behält. Dann können Sie wieder schön schreiben, “wie die Mopo schon exklusiv berichtete”. Das machen sie ja am Liebsten. Spannend wäre es mal zu erwähnen, wie oft unsere Medien falsch liegen.

Ausblick: Ich glaub es geht schon wieder los…

15. Januar 2010 | Tanner

Wahnsinn, am Wochenende startet schon wieder der Liga-Betrieb. Solch eine kurze Winterpause hatten wir selten; aber die WM macht es möglich. Zeit für einen Blick in die Kristallkugel, was in den nächsten Monaten passieren wird. Soviel vorweg: Es wird ein unheimlich spannendes Jahr für den HSV!

Januar 2010:
Der Januar ist turbulent. Zwar läuft der Rückrundenstart mit Siegen gegen Freiburg und in Dortmund optimal, ständige Personaldiskussionen sorgen aber für Unmut: Demel wird nach England verkauft und auch Pitroipa verlässt noch den Verein. Im Gegenzug verpflichtet der HSV Höwedes, was Spekulationen über einen Abgang von Boateng im Sommer entbrennen lässt. Mit einem weiteren Heimsieg gegen Wolfsburg brechen Meisterträume an der Elbe aus; erst Recht nachdem der HSV am 31.Januar ein spektakuläres, wenn aber auch teures, Leihgeschäft eines Stürmers bekannt gibt (Hinweis der Redaktion: Der Name dieses Stürmers darf leider nicht bekannt gegeben werden).

Februar 2010: Wie immer, wenn der HSV von der Meisterschaft träumt, folgt der Rückschlag prompt. Aus den Spielen gegen Köln, Stuttgart und Frankfurt holt der HSV nur vier Punkte. Und auch im EL-Hinspiel gegen Eindhoven kommt man nicht über ein 1:1 hinaus. Im Umfeld des Vereins entsteht abermals Unruhe, da sich der Aufsichtsrat am Rande des Stuttgart-Spiels mit Horst Heldt getroffen haben soll; alle Verantwortlichen dementieren. Der Befreiungsschlag gelingt dann in Eindhoven, wo der HSV spektakulär mit 2:1 n.V. siegt. Wenige Tage später führt ein wieder genesener Zé Roberto den HSV zu einem Auswärtssieg in der Allianz Arena. Der HSV ist wieder an der Spitze dran.

März 2010: Auch der März beginnt mit einem Schock für den HSV, denn David Jarolim verletzt sich und fällt für den Rest der Saison aus. Doch die Mannschaft lässt sich nicht schocken und feiert einen Heimsieg gegen die Hertha. Eine Woche später gelingt mit einem Auswärtssieg in Leverkusen (die erste Saisonniederlage der Werks-Elf) der Sprung an die Tabellenspitze. Der HSV bucht für den Mai schon einmal den Rathausmarkt und spätestens nach dem Sieg gegen Schalke ist ganz Hamburg im Meisterfieber; auch wenn das anschließende unglückliche Remis in Gladbach weh tut. Dafür gelingt in der Europa League der souveräne Einzug ins Viertelfinale. Die Mopo titelt: “Der HSV auf Double-Kurs”

April 2010: Im April geht es Schlag auf Schlag. Im Viertelfinale der Europa League trifft der HSV auf den FC Liverpool. In zwei denkwürdigen Spielen scheiden die Hamburger am Ende unglücklich aus, der Traum vom Finale im eigenen Stadion platzt. Das wirkt sich auch auf die Liga aus und nach den traditionellen Niederlagen gegen Hannover und Bochum ist der HSV auch weg von der Spitze. Zudem entsteht Unruhe, da Jerome Boateng seinen Wechsel zu den Bayern bekannt gibt. Derweil gibt Joachim Löw seinen vorläufigen WM-Kader bekannt. Jansen und Boateng sind erwartungsgemäß dabei und auch der umstrittene Trochowski wird nominiert. Völlig überraschend beruft Löw auch Dennis Aogo. Vier HSVer bei der WM - das hat es lange nicht mehr gegeben! Mit einem frei aufspielenden Trochwoski gelingt dem HSV ein Sieg gegen Mainz und ein Unentschieden in Hoffenheim, sodass der Absturz aufgehalten wird. Der HSV steht auf Rang drei und hat noch theoretische Chancen auf den Titel!

Mai 2010: Das 0:0 im Heimspiel gegen Nürnberg begräbt die theoretischen Meisterchancen und gefährdet den schon sicher geglaubten Champions League-Platz, denn von hinten droht Werder Bremen. Somit kommt es im Weserstadion zu einem Endspiel um Rang 3 - wer hätte das gedacht. Die Angst geht um, die Boulevard-Medien spotten. Doch diesesmal ist der Gott mit den Hamburgern, nach frühem Rückstand sichert sich der HSV noch ein 1:1 durch einen späten Treffer von Marcus Berg. Platz 3 ist damit sicher, hinter den Bayern. Meister wird aber Bayer Leverkusen, die nur ein Spiel in der gesamten Saison verloren haben. Das EL-Finale in Hamburg findet ohne deutsche Beteiligung statt, auch wenn im Stadion etliche HSVer sitzen, die sich schon frühzeitig Tickets gesichert hatten. Anschließend richten sich alle Blicke auf die WM, während beim HSV immer noch nach einem Sportchef gefahndet wird. Den gibt es nämlich immer noch nicht.

Willkommen in 2010 - ciao 2009

11. Januar 2010 | Tanner

Ein frohes neues Jahr allen Lesern!

Ich denke, das darf man heute noch sagen; oder doch besser Bon Annees? Denn das habe ich zum Jahreswechsel gefühlte 100 Mal gesagt, war ich doch in den französischen Alpen unterwegs. Das ist dann auch der Grund, warum es mit dem Hinrunden-Fazit dann doch nicht wie versprochen geklappt hat. Und wenn ich jetzt schaue, dass in 5 Tagen schon wieder die Rückrunde startet, muss ich mich echt sputen.

Aber versprochen ist versprochen; hier also mein persönlicher Hinrunden-Rückblick - von A bis Z.

A - wie Aogo: Einer der absoluten Gewinner der Hinrunde, denn er hat keine Bundesliga-Minute verpasst; eine tolle Entwicklung, die hoffentlich irgendwann mit einer Nominierung für die A-Nationalelf nominiert wird; die deutsche natürlich. Außerdem ist Dennis mal für ein Tor fällig.

B - wie Berg: Neben Trochowski und Pitroipa mit Sicherheit der Spieler, über den am meisten diskutiert wird. Mit hohen Erwartungen gekommen, war er anfangs eine Enttäuschung; Beiersdorfer wollte ihn dann ja angeblich auch nicht; dann mit einem Zwischenhoch (Glasgow, Schalke), aber der Durchbruch fehlt noch. Ich traue ihm diesen aber noch zu.

C - wie Champions League: Sollte in dieser Saison unser Ziel sein. Denn wer eine so imposante Hinrunde spielt und trotz der vielen Verletzten noch Vierter ist, sollte sich diesen Ziel setzen dürfen. Auch wenns schwer wird.

D - wie Deutscher Meister: ist wohl nur drin, wenn alles optimal verläuft

E - wie Elia: Die absolute Rakete und eine Bereicherung für die ganze Liga. Der Junge macht Spaß! Hoffentlich bleibt er uns auch über den Sommer hinaus erhalten.

F - wie Finale: Das Finale der Europa League im eigenen Station - noch immer kann davon geträumt werden; und die nächsten Aufgaben in der Europa League sind nicht als unmöglich einzustufen. Fraglicher ist aber, ob der Kader in diesem Jahr einer Doppelbelastung standhalten würde.

G - wie Glasgow: Der Auswärtssieg auf der Insel gehörte meiner Meinung nach zu den entscheidenen Siegen dieser Saison, da er den Grundstein zum Weiterkommen in der Europa League gelegt hat.

H - wie Heimspiel: Eigentlich sind die Heimspiele eine Stärke des HSV; und mit den überzeugenden Siegen gegen Dortmund (!), Köln, Stuttgart und auch Bayern ging die Saison ja auch gut los; doch dann kam der Einbruch mit vier Heimspielen ohne Sieg; das darf einem Spitzenteam dann einfach nicht passieren. Vor allem die Niederlagen gegen Gladbach und Bochum schmerzen noch immer und können am Saisonende wehtun.

I - wie Interimslösung: Die Demission von Dietmar Beiersdorfer kurz vor Saisonbeginn hat den HSV vor eine Personallücke gestellt. Und beim Schließen dieser Personallücke hat sich der Aufsichtsrat nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Also bleibt es zunächst einmal bei der Interimslösung Bruno Labbadia. Der sportliche Erfolg sorgt dabei derzeit für Ruhe; aber im Hinblick auf die neue Saison muss möglichst bald Klarheit herrschen. Mein persönlicher Tipp: Horst Heldt wirds.

J - wie Jerome Boateng: Meiner Meinung nach DER Spieler der Hinrunde, der den größten Schritt von allen gemacht hat. In der Innenverteidigung spielt Jerome Boateng bärenstark und wird auch bei der WM eine wichtige Stütze sein. Leider glaube ich nicht daran, dass wir ihn über den Sommer hinaus halten können.

K - wie Kellerteams: Wie schon so oft tut sich der HSV besonders gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller schwer: Gladbach, Bochum, Hannover. Hier wurden erneut Punkte leichtfertig liegen gelassen. Das liegt zum einen natürlich an der destruktiven Spielweise der Gegner, welche dem HSV gar nicht liegt, zum anderen haben die HSV-Profis aber auch offenbar ein Einstellungsproblem und zeigen nicht immer den Willen, mit dem sie beispielweise die Bayern oder Werder besiegt haben.

L - wie Labbadia: War von vielen zum Amtsantritt kritisch betrachtet worden; doch der tolle Saisonstart und der fantastische Offensivfußball hat die meisten Kritiker dann verstummen lassen; dennoch hat er nicht immer alles korrekt gemacht und teilweise falsch gewechselt (Boateng gegen Gladbach!); positiv: er hat sich nie über die vielen verletzten beklagt; ebenfalls positiv: er gibt den Talenten einen Chance

M - wie Mittelmaß: drohte zwischenzeitlich, denn in der Tabelle ist es arg eng, da keine Mannschaften so souverän sind, das sie dem Rest davon eilen. Mit den abschließenden Siegen gegen Nürnberg und Bremen hat der HSV aber wieder die Kurve bekommen.

N - wie Nordderby: welch toller Hinrundenabschluss und welch Balsam auf die gescholtene Derby-Seele.

O - wie Offensiv-Fußball: Vor allem in den ersten Spielen wurde begeisternder Offensiv-Fußball gezeigt; Labbadia lässt klar nach vorne spielen und das freut natürlich die Zuschauer, dieser HSV macht Spaß. Dennoch sind teilweise zu viele Gegentreffer zugelassen und man ist ins offene Messer gelaufen, wie z.B. gegen Gladbach.

P - wie Pokal-Aus: das durfte nicht passieren, war peinlich und tut weh. Das Pokal-Aus in Osnabrück hat mal wieder gezeigt, wie schnell der HSV zu Überheblichkeit bzw. Unkonzentriertheit neigt, was sich ja auch schon im Erstrunden-Match in Düsseldorf angedeutet hatte. Der kurze Weg ins internationale Geschäft ist damit zu.

Q - wie Querpass: Keine Ahnung, aber ein besseres Wort mit Q fiel mir nicht ein.

R - wie Rincon: Ebenfalls einer der Gewinner der Hinrunde; eigentlich saß er schon wieder im Flieger nach Venezuela, doch dann nutzte er doch noch seine Chance; glaubt man den Trainingsbeobachtern dann ist das hochverdient, denn Rincon hat scheinbar nie aufgesteckt im Training. Vorbildlich.

S - wie Schiris: Glück hatte der HSV mit den Schiedsrichtern in der Hinrunde wahrlich nicht - oder sagen wir mal: einige fragwürdige Situationen waren schon dabei (fehlender Elfmeter gegen Gladbach/Elfmeter in Hannover/Nicht-gegebenes Tor von Mathijsen gegen Bochum/Rot gegen Boateng). Auf der anderen Seite wurden Spieler zu wenig geschützt, sodass es zu Verletzungen kam (Petric, Elia). Angeblich gleicht sich sowas ja während einer Saison aus…

T - wie Trochowski: Über Piotr Trochowski werden wir wohl noch in 100 Jahren diskutieren. Und NEIN, er ist kein van der Vaart-Ersazt. Denn er ist ein ganz anderer Spieltyp, kein Spielmacher, niemand der das Spiel an sich reisst und es lenkt. Aber er ist ein toller Mittelfeldspieler, wenn er Form hat.
Es bleibt festzuhalten: Trochowski war zu Saisonbeginn stark - und hat dann stark nachgelassen, sodass er am Ende auf der Bank gesessen hat. Und diese Leistungsschwankungen machen ihn zur viel diskutierten Person. Und wenn er diese nicht abstellt, wird es auch eng mit der WM im Sommer.

U - wie Unentschieden: Und davon hat der HSV mit sieben einfach zu viele gespielt (die zweitmeisten aller Clubs). Spiele wie gegen Schalke, Hannover oder Mainz hätten mit etwas mehr Cleverness über die Runde gebracht werden müssen. Die vielen Unentschieden sind allerdings in dieser Saison ein ligaweites Problem.

V - wie Verletzungen: Das Verletzungspech in dieser Saison ist nahezu unglaublich. Gar nicht auszumalen, wo der HSV stehen würde, wenn das Team weitgehend von Verletzungen verschont geblieben wäre. Vor allem das Fehlen von Petric und Guerrero - zwischenzeitlich der gefährlichste Sturm der Liga - war bitter.

W - wie Wien: Das Hinspiel in Wien war einer der wenigen, negativen Punkte dieser Hinrunde. Sportlich konnte der HSV zwar trotz der Niederlage die Quali schaffen; für einige Tage hat man sich aber schon ein wenig blamiert.

X - wie ???

Y - wie Youngster: Schön, dass Labbadia den jungen Spielern eine Chance gegeben hat - wobei ihm kaum etwas anderes übrig blieb. Vor allem Torun hat sie genutzt und einen Schritt nach vorne gemacht.

Z - wie Zé Roberto: Viele - auch ich - haben bei seiner Verpflichtung gezweifelt. Doch schnell ließ der große Zé alle Zweifler verstummen und hat überragend das HSV-Spiel angekurbelt. Negativ nur seine eigenmächtig verlängerte Winterpause.

Mehr als drei Punkte…

20. Dezember 2009 | Tanner

Wow, was für ein Nord-Derby. Da hat sich das Kommen ehrlich gelohnt - trotz der wittrigen Bedinungen. Denn es war schon ehrlich klirrend kalt. Und so manch ein Stadionbesucher hatte etliche Kleidungslagen aufgelegt. Aber mit dem Anpfiff wurde es dann heiß - ein echtes Derby halt!

Ich bin ja ein gut erzogener Mensch, der weiß wie man sich zu benehmen hat. Aber zu einem Derby gehören einfach diese Emotionen dazu. Und die waren von Beginn an dabei. Die HSV-Fans machten von Anfang an klar, dass sie mit den Rivalen von der Weser noch eine Rechnung offen hatten - und entsprechend wurden etliche Giftpfeile in Richtung des Gästeblocks geschickt. Und die Mannschaft lässt sich von den Rängen inspirieren und ist von Beginn an da, nimmt den Kampf an und kommt deutlich besser mit den schwierigen Bodenverhältnissen klar.

Das 1:0 von Joris Mathijsen ist der pure Jubel und die verdiente Führung. Doch die Dramatik geht erst los. Erst vergibt der HSV die Riesenchance zum 2:0, dann geht Marco Marin alleine aufs Tor los und fällt und der Schiedsrichter zeigt Rot für Boateng. Auf den Rängen: Fassungslosigkeit und Wut. Wut, denn in den letzten Wochen hatte der HSV wahrlich kein Glück mit den Schiedsrichterentscheidungen. Dabei war ich wirklich frohen Mutes, dass der meiner Meinung nach beste deutsche Schiedsrichter in dieser Situation falsch liegt. Denn - auch nach Betrachten der TV-Aufnahmen - das war kein Rot! Selbst über die Entscheidung ob man hier Foul pfeifen muss kann man streiten. Aber selbst wenn, dann läuft Marin vom Tor weg und es ist keine klare Torchance, die hier verhindert wird. Ärgerlich natürlich, dass mit Boateng der wohl zurzeit stärkste HSV-Verteidiger nun ausfällt und ich befürchte, dass der DFB hier sogar eine Sperre von zwei Spielen ausspricht. Das wäre zwar nicht verhältnismäßig, würde mich aber nicht wundern.

Natürlich kann solch ein früher Feldverweis tödlich sein und den Knackpunkt in einem Spiel bedeuten - gerade bei einem Gegner wie Werder. Aber der HSV ist heute einfach heiß - heiß auf die Revanche. Und er gibt gleich wieder Gas über den bärenstarken Elia, den heute niemand stoppen kann. Das 2:0 ist die direkte Antwort des HSV und im Stadion ein wahrer Gänsehaut-Moment. Noch voller Wut über den Platzverweis explodiert die Stimmung auf den Rängen förmlich - alle liegen sich in den Armen. Das ist unser HSV! Und Derbys sind einfach etwas ganz Besonderes, besonders nach den 19 schlimmen Tagen im Frühjahr, in denen alle HSVer so sehr leiden mussten. Das 2:0 war da einfach der Wahnsinn und die pure Erleichterung!!! Wobei wir hier natürlich auch nochmal festhalten können, dass dieser zweite Treffer ohne die nette Mithilfe von Tim Wiese nie zu Stande gekommen wäre. Danke dafür!

Der Rest ist dann eine reine Verteidigungsschlacht, was soll der HSV denn auch anderes machen mit einem Mann weniger. Aber der HSV steht heute unheimlich sicher und schafft es immer wieder, die Bremer schon im Aufbauspiel zu stören; so ergeben sich aus dem Spiel heraus kaum Chancen für die Bremer. Auch weil Tomas Rincon den Bremer Özil völlig abgemeldet hat. Und das obwohl der Venezuelaner schon für mit der gelben Karte belastet wird. Und ich hatte echt lange Angst, dass er diese 90 Minuten auf dem Platz nicht überstehen wird in diesem Kampfspiel; ehrlich gesagt hatte ich sogar gehofft, dass Bruno Labbadia ihn auswechselt. Tat er aber nicht und das war auch gut so - denn Rincon hat sich extrem zusammengerissen und seine Arbeit hervorragend absolviert. Die Auswechslung von Özil war dann quasi sein Ritterschlag. Ebenfalls stark waren heute Elia, Jansen und Petric, die gemeinsam immer wieder gefährliche und giftige Konter setzen konnten.

Was ich dabei noch unbedingt erwähnen möchte: dieses Nord-Derby musste man unbedingt live verfolgt haben - nicht nur wegen der Stimmung. Denn die (katastrophale) Zusammenfassung im NDR Sportclub brachte eines nicht rüber: der HSV hat hochverdient gewonnen! Denn wenn man bedenkt, dass die Bremer eine ganze Stunde in Überzahl waren, so fiel ihnen nicht viel ein gegen einen leidenschaftlich kämpfenden HSV. Denn nur in den Schlussminuten ergaben sich dann Chancen für den SVW, doch das kam viel zu spät. So bleibt festzuhalten, dass der HSV dank einer überragenden ersten Hälfte verdient gewonnen hat und dann in Unterzahl kaum Chancen der Bremer zugelassen hat. Und das ist ganz, ganz stark! Leider wurde die TV-Zusammenfassung dieser Leistung nicht gerecht - schade!

So bleibt zum Ende der Hinrunde festzuhalten, dass der HSV als Tabellenvierter den Anschluss an die Tabellenspitze gehalten hat. Ein toller Erfolg! In den nächsten Tagen werde ich mich dann noch einem ausführlichen Hinrunden-Fazit widmen. Aber bis dahin wird erstmal der Derbysieg genossen! Wer nicht hüpft, der ist….

Die Derby-Prophezeiung

18. Dezember 2009 | Tanner

Ganz ehrlich - zum Spiel in Tel Aviv will ich nicht viele Worte verlieren: Insgesamt ein enttäuschender Auftritt und in der 2. Halbzeit hätte der HSV drei oder vier Treffer erzielen müssen. Am Ende also nur Platz 2. Aber wahrscheinlich geisterte bei einigen Spielern - bei uns Fans ja sowieso - vielmehr schon das anstehende Nord-Derby gegen Werder im Hinterkopf rum. Wobei: Spieler wie Trochowski oder Tavarez müssen solch ein Spiel nutzen, um sich wieder aufzudrängen. Das war bei beiden gestern nichts, weshalb sie auch zur Halbzeit ausgewechselt wurden. Trochowski ist scheinbar - mal wieder - in einem akuten Leistungsloch. Anders kann ich mir das in letzter Zeit nicht erklären.

Nunja - ob Erster oder Zweiter war dann auch im Endeffekt egal, denn der HSV hatte mehr oder weniger Losglück, denn in der Runde der letzten 16 geht es gegen den PSV Eindhoven. Mit Sicherheit kein einfacher Gegner, aber mit Sicherheit auch nicht unlösbar. Und der Ausblick auf ein mögliches Achtelfinale gegen Bilbao oder Anderlecht ist auch nicht schlecht. Bei den Namen, die in den Töpfen waren, ist der HSV doch ganz gut bei der Auslosung weggekommen.

Und jetzt sind wirklich alle Augen auf Werder gerichtet und das anstehende Nord-Derby am Sonntag. Und ich bin mir sicher: trotz Minusgrade wird das am Sonntag ein ganz heißes Ding. Denn wir haben mit den Bremern mehr als eine offene Rechnung zu begleichen. Der Stachel der letzten Saison sitzt noch immer tief und diese 19 Tage werden jedem Fan in grausamer Erinnerung bleiben - ein Sieg gegen die Bremer würde da am Sonntag einfach nur gut tun. Sportlich ist er ohnehin wichtig, denn ich behaupte einfach, dass dieses Spiel am Sonntag richtungsweisend ist. Sieg oder Niederlage entscheiden, ob man die Hinrunde als erfolgreich oder als passabel bezeichnen kann. Denn nur bei einem Sieg hält der HSV den Anschluss an die Spitzenplätze; bei einer Niederlage hingegen drohen bis zu sieben Punkte Rückstand und von hinten drängen andere Clubs. Mal ganz abgesehen von der psychologischen Wirkung für die Rückrunde.

Mit meinem Tipp für Sonntag habe ich übrigens schon ganz klare Vorstellungen: in einem heiß umkämpften Spiel siegt der HSV mit 1:0. Torschütze in der 87. Minute war der Hamburger Petric. Dem Treffer war allerdings ein eklatanter Fehler des Bremer Torhüters Tim Wiese vorausgegangen.

Wartet’s ab - SO wird es kommen.

Allein ein tolles (und friedliches) Derby!

Toruns Meisterstück

15. Dezember 2009 | Tanner

Das hat dieses Wochenende endlich mal wieder Spaß gemacht. Sogar soviel Spaß, dass ich seit langem mal wieder Sportschau geschaut habe. Denn die schaue ich in der Regel nur dann, wenn der HSV auch gewonnen hat. Andernfalls vergeht mir meistens die Lust. Doch an diesem Wochenende hat der HSV einfach Spaß gemacht. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass das der HSV des Saisonauftakts war. Ob es jetzt allerdings an der etwas entspannteren Personalsituation oder aber an den herzlich schwachen Nürnbergern lag, das weiß ich nicht.

Mann des Spiels war für mich im Übrigen nicht Elia. Und auch nicht Marcell Jansen, auch wenn dieser eine bärenstarke Leistung gezeigt hat. Überragend für mich war aber einfach Tunay Torun; mit seinem Traumpass zum 1:0 hat er den Sieg eingeleitet und mit seinem Traumtor zum 3:0 dann endgültig perfekt gemacht. Und das gönne ich dem HSV-Talent wirklich, denn es ist nicht einfach, sich als Nachwuchsspieler beim HSV durchzusetzen. Ehrlich gesagt ist es in den letzten Jahren nur ganz, ganz wenigen gelungen. Vielleicht schafft Torun ja hier den Durchbruch.

Ansonsten war natürlich Marcell Jansen stark. Nahezu alle gefährlichen Angriffe liefen über ihn. Ganz klar: Jansen ist in WM-Form und hat derzeit gute Karten - anders als Piotr Trochowski, der derzeit schlechte Karten im Kampf um einen Stammplatz im HSV-Team hat.

Bevor es jetzt am Sonntag zum Nord-Knaller gegen Werder kommt, steht noch das Gruppen-Endspiel der Europa League gegen Tel Aviv. Und leider muss der Free-TV-Zuschauer draußen bleiben, denn das Spiel wird nur auf Sky übertragen. Für 42 Euro im Monat - nein Danke! Mal schauen, was sich da am Donnerstag für Wege finden lassen. Mein Tipp ist aber klar: der HSV siegt mit 3:1.

Im Anschluss melde ich mich dann ausführlich zum Nordderby.

P.S: Noch eine interessante Randnotiz vom heutigen Tage. Ebi Smolarek hat mit dem griechischen Erstligisten TC Kavala einen neuen Verein gefunden. Genau der Smolarek, der noch im Herbst beim HSV vorspielte und meinte nur zu einem Top-Club wechseln zu wollen. Gesucht - gefunden; würde ich einfach mal behaupten.